"Ich hab so lange gewartet..."
Er sieht ihr tief in die Augen, als seine Lippen sich bei diesem Satz
zu einem leichten Lächeln formen.
"Ich bin froh, dass du hier bist."
Sie erwidert sein Lächeln und kichert leicht.
Ihr Kopf schmiegt an seiner Brust, er hält sie fest im Arm.
"Dass wir so viele Jahre gebraucht haben, um zu begreifen,
dass wir für einander bestimmt sind..."
Sie nuschelt in seine Brust.
Er löst sie aus der Umarmung, nur ein wenig,
dass er ihre Nähe nach wie vor spüren kann.
Er will sich keinen Zentimeter zu weit von ihr entfernen,
er will sie bei sich haben.
Er spürt ihre Wärme, ihre sanften Bewegungen, ihren leisen Herzschlag.
"Du hast Recht. Aber jetzt haben wir uns endlich."
Die beiden sehen sich an, wollen sicher gehen, dass das gerade wirklich passiert.
Dass sie beieinander sind, dass sie zusammen sind.
Sein Lächeln verschwindet.
Er nimmt ihren Kopf behutsam in seine Hände, zieht sie langsam zu sich heran.
So nah, bis seine Lippen ihre berühren.
Sie küssen sich sanft, so gefühlvoll.
Er drückt sie fest an sich, will sie nie wieder gehen lassen.
Nie wieder vermissen müssen.
Sie unterbricht den Kuss für einen kurzen Moment,
flüstert Ich liebe dich in sein Ohr, ehe er sich wieder zu ihr beugt und sie küsst.
Ich erlebe diese Szene mit. Allerdings von ein paar Meter Entfernung.
Die beiden bemerken mich nicht, obwohl ich mich in ihrem Sichtfeld befinde.
Sie können mich nicht sehen, aber ich kann sie sehen. Ich bin für sie unsichtbar.
Ich stehe wie vom Blitz getroffen daneben.
Starr. Bewege mich keinen Millimeter.
Will nicht glauben, kann nicht glauben, was ich da gerade sehe.
Du... Und sie?
Doch wir sind nicht nur zu dritt. Jemand steht hinter mir.
Jemand, der für mich unsichtbar bist.
Jemand, den ich nicht sehen kann, so wie sie mich nicht sehen können.
Ich höre ein Kichern. Ein süßes, leises, unscheinbares Kichern.
Es klingt sehr böse und hinterhältig.
Du bist geschockt, nicht wahr?
Ich nicke leicht. Nach wie vor kann ich niemanden sehen.
Spüre trotzdem ein Lächeln hinter mir, es brennt sich tief in meinen Rücken.
Du bist es nicht wert. Du bist nicht liebenswert.
Wie lange dachtest du, kann er dich so noch lieben?
Das hast du nun davon.
Niemand wird dich mögen, nicht, solange du so bist.
Dein Charakter, schrecklich. An dem musst du arbeiten.
Ich nicke erneut.
Und dein Aussehen... Aber keine Sorge, das kannst du auch ändern...
Ich schrecke auf. Kalter Schweiß umgibt mich. Mein Atem ist flach, mein Herz schlägt schnell. Getrocknete Tränen kleben an meinen Wangen. Meine Haut fühlt sich gespannt an, wie glatt gebügelt. Ich schaue auf die Uhr. Es sind noch ein paar Stunden, bis ich aufstehen muss. Ich drehe mich um, schließe die Augen und bin sofort wieder weg. Was ich danach noch geträumt habe, weiß ich nicht mehr.
Warum hab ich solche Verlustängste?
Warum hab ich so Angst alleine gelassen zu werden?
Warum hab ich das Gefühl, es nicht wert zu sein?
Warum hab ich so Angst, und vor allem:
vor was??
Das Wort hallt in meinem Kopf
Angst. Angst. Angst. Angst. Angst. Angst.
----------------------------------------------------------------
Die Zahl auf der Waage heute morgen hat mir um einiges besser gefallen als die gestrige. Ob ich von heute auf morgen wieder so viel abnehmen werde? Ich denke nicht. Die Zunahme war unrealistisch, darum ist auch die Abnahme unrealistisch. Gefreut hab ich mich trotzdem.
Ich wollte mir gestern Abend gerade meinen Haferbrei machen, nehme die Box mit den Haferflocken. Halt, irgendetwas stimmt da nicht. Die Dose war doch gestern noch fast leer? Die Flocken waren total groß, also körnige, und Vollkorn waren es bestimmt auch nicht. Mein Stiefvater kommt in die Küche, ich halte ihm die Dose vor die Nase.
"Was ist das?!"
"Haferflocken."
"Aber die sind so groß!
Die kann ich nicht nehmen."
"Ist doch egal, wie groß die sind."
Er nimmt die Dose und schüttet eine Tonne Flocken in eine Schüssel. Darüber gießt er zehn Liter 1,5%ige Milch und schüttet ein Kilo Zucker hinterher. Er hat meine gesunden Vollkornhaferflocken mit seinem Weizenscheiß gemischt. Zum Glück hatte ich noch eine neue Packung auf Vorrat. Klasse, jetzt muss ich meine Haferflocken auch mit in mein Zimmer nehmen und da verstecken. Das erklärt wenigstens, warum die Dose immer so schnell leer ist. Hab mir schon Vorwürfe gemacht, dass ich zu viel fresse. Mein Stiefvater isst meine Haferflocken. Ich kaufe extra die teuren, zwei Euro kostet so ne DrecksPackung, die normalen kosten nur 50 Cent. Also kosten die das Vierfache. Die sind aber dafür besser und gesünder als die normalen. Und er hat die teuren Haferflocken genommen, um sie mit Zucker zu vergiften und zu essen. Und er hat keine Sekunde darüber nachgedacht. Ich bin nicht böse, er hat es bestimmt nur gut gemeint. Er hat Haferflocken gekauft, weil er meine gegessen hat. Er hat sogar extra meine Dose nachgefüllt. Und ich rege mich auf. Wenigstens nur innerlich. Gesagt habe ich zum Glück nichts.
Bin gestern in die Stadt gelaufen. Wie sehr ich mir immer ein Auto gewünscht hab, um nicht so viel laufen zu müssen und mobiler zu sein. Jetzt hab ich eins und laufe trotzdem noch, haha. Ich wollte mir neue Armstuplen kaufen, um die Narben zu verdecken. Ich hab zwar welche, aber die sind aus Wolle und einfach zu warm im Sommer. Hab aber leider keine gefunden. Bin zurück, Shred gemacht, dabei Simpsons geguckt, meine Wäsche gewaschen, einen heißes Bad genommen und ab ins Bett.
Ich hab übrigens vor ca. zwei Wochen eine Mail von FDDB erhalten.
Hat die jemand von euch auch schon mal bekommen?